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Akustische Guerilla-Intervention im öffentlichen Raum.

Mit sofortiger Wirkung (Gruppenausstellung)
Kunsthalle Wien project space
14.-29. 01.2012

KünstlerInnen:
Oliver Hangl, Marlene Haring, Institut f. Alltgsforschung, Marusa Sagadin, Anna Witt

Interventionszeiten:
16.-20.01.2012, 08:30-10:00 u. 15:30-17.00 Uhr, ca. 80 AgentInnen



Stellen Sie sich vor, Sie spazieren über den Karlsplatz in Wien und haben plötzlich ein Lied im Ohr. Sie wissen nicht genau, wo Sie es gehört haben, wer es gesungen hat, vielleicht kennen Sie nicht einmal den Text. Trotzdem begleitet es Sie auf Ihrem Weg durch die Stadt. Sie summen es vor sich hin und werden es nicht mehr los. Genau in diesem Moment sind Sie Teil der aktuellen Arbeit von Oliver Hangl geworden: In einer Guerilla-Aktion platziert der Wiener Performance- und Medienkünstler einen Ohrwurm in die Köpfe der Passant/innen am urbanen Knotenpunkt des Karlsplatzes.
Im Zuge der Gruppenausstellung Mit sofortiger Wirkung – künstlerische Eingriffe in den Alltag in der Kunsthalle Wien project space wird Hangl eingeladen, in den Alltag der Wiener/innen zu intervenieren. Der Künstler setzt in seinem Konzept auf die unmittelbare Wirkung von Musik und konfrontiert die täglich bis zu 300.000 Passant/innen am Karlsplatz mit einem kurzen, musikalischen Refrain. Über eine ganze Woche hindurch bewegen sich rund achtzig per Inserat rekrutierte „Agent/ innen“ einzeln und quasi unbemerkt in den vielen Passagen, an den Bahnsteigen und auf den Rolltreppen des Karlsplatzes. Einem genauen Aktionsplan folgend, der Einsatzort und -zeit definiert, fluten sie diese Orte summend, pfeifend oder singend mit einer Melodie, die sich nach kurzer Zeit als eine akustische Endlosschleife im Kopf der zufälligen Zuhörer/innen einstellt. Der Künstler bezieht sich in seiner Intervention auf wissenschaftliche Untersuchungen, denen zufolge „Ohrwürmer zu mehr als 70 Prozent in Alltagssituationen, [...] in Leerlauf- und Wartephasen“ entstehen.
Hangl implementiert eine subtile Guerilla-Strategie: Mitten im komplexen urbanen akustischen Bombardement attackiert er seine potenziellen Opfer, ohne sie jedoch aufzuklären. Ähnlich einem Virus, der sich in seinem Wirt einnistet, versucht der Künstler kurzfristig eine Stimmung in die Hirnrinde einzuritzen, die dort ein wiederkehrendes Jucken verursacht. Das im Loop laufende Hörbild taucht unangekündigt und für den Träger rational nicht nachvollziehbar auf. Es setzt sich fest und beeinträchtigt die alltäglichen Handlungsabläufe für eine mehr oder weniger kurze Zeitdauer.
Diese Form des Einwirkens in das Alltagsgeschehen, mit der der Künstler auf das kognitiv-emotionale Nerven-zentrum der einzelnen Stadtbenutzer/innen abzielt, ist unmittelbar, die Wirkung entzieht sich jeglicher Kontrolle. So bleiben sowohl die Agent/innen als auch die Wirkung auf das „unfreiwillige“ Publikum verborgen. Im Ausstellungsraum des project space deckt Oliver Hangl seine Strategie auf und legt die Form seiner Einflussnahme in einem erklärenden Text offen. Der Wirkung des Ohrwurms können sich die Besucher/innen aber auch hier nicht entziehen, erschallt dieser doch leise in der Ausstellung. Während der akustische Reiz im öffentlichen Raum subliminal gesetzt wird, verfehlt er auch dann seine „sofortige Wirkung“ nicht, wenn er bewusst wahrgenommen wird. (Katalogtext „Mit sofortiger Wirkung“)

Falter KOER Wien MA7 Wiener Linien Der Standard

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